Hanns Schimansky, ohne Titel

Das Denken der Hand

Das Denken der Hand 

Scripturale Räume – Die Linie als Spur

Hanns Schimansky, ohne Titel
Abb.: Hanns Schimansky, ohne Titel, 2025, Tusche, Faltung auf Papier, 26,5 x 38 cm Hanns Schimansky/Galerie Inga Kondeyne, Foto: Eric Tschernow

Ziel: Die Angst vor dem „weißen Blatt“ verlieren und den Zufall als Freund gewinnen. Verständnis von Komposition durch Reduktion; Erforschen von Haptik und Rhythmus.

Hanns Schimansky (1951, lebt in Berlin) ist kein Zeichner, der „etwas abbildet“. Er ist ein Zeichner, der das Zeichnen selbst thematisiert. Sein Werk ist ein Dialog zwischen der Hand, dem Material (oft handgeschöpftes Papier) und dem Zufall. Er nutzt die Faltung nicht als Vorbereitung, sondern als bildnerisches Element, das den Raum bricht. Seine Arbeiten sind „Notationen von Zeit“ – man sieht jedem Strich an, mit welcher Geschwindigkeit und Energie er gesetzt wurde.

Zeichnen bedeutet für den “Linien-Entdecker” nicht, ein fertiges Bild im Kopf zu haben und es zu kopieren. Es ist eine Expedition: die Hand reagiert auf den Widerstand des Papiers, auf das Fließen der Tusche, auf den Rhythmus des Atems. Fertig ist das Bild, wenn der Dialog zwischen der Hand und dem Material verstummt.

Nach einer kurzen zeichnerischen „Aufwärmung“, gehen wir gemeinsam durch die Ausstellung, suchen uns ein Bild aus und anstatt zu fragen: „Was stellt das dar?“, analysieren die Schüler die Grammatik der Bilder:

  • Duktus: Ist die Linie suchend, aggressiv, fließend oder gebrochen?
  • Raum: Wie erzeugen die Faltungen Licht und Schatten, ohne dass Farbe im Spiel ist?
  • Stille: Welche Rolle spielt das „Nicht-Bemalte“ (der Weißraum)?

In der experimentellen Phase werden die Schüler*innen zu Papier-Architekten*innen  und arbeiten  mit unterschiedlichen Papiersorten, fertigen großformatige Notationen mit Tusche, Rohrfedern, Graphitstiften und erstellen eine Diptychon- oder Triptychon-Serie, bei der eine Bewegung über die Blattgrenzen hinweg fortgesetzt wird. 

Während der Arbeit können die Schüler*innen Minimal Music (z.B. Steve Reich oder Philip Glass) hören.

Folgende Fragen stellen sich:

  • Wie spiegelt sich die körperliche Energie wider?
  • Was bedeutet das “Prinzip des kontrollierten Zufalls”?
  • Ab wann ist eine Zeichnung fertig?
  • Wo finden wir solche Strukturen in der Natur oder im urbanen Raum (Risse im Asphalt, Geäst, Partituren)?

Abschließend werden die Arbeiten im Galerieraum präsentiert und diskutiert.

Termine: 2.4., 16.4., 17.4., 23.4., 24.4., 30.4., 7.5., 8.5., 15.5., 21.5., 22.5., 28.5., 29.5., 4.6., 5.6.2026

  • jeweils Do & Fr 10 – 13 Uhr
  • Konzept, Durchführung: Bettina Albrecht, Malerin 
  • Kosten: kostenfrei, Material wird gestellt
  • Teilnehmer*innen: GS, Sek I+ II, inklusiv; bis 28 TN